Der CVJM hatte bei den hohen Schneebergen besondere Mühe die Christbäume einzusammeln.
Zwar war die Kulisse "post festum" noch weihnachtlich geworden, aber es half nichts – die Christbäume hatten ausgedient und wurden, in Tailfingen wie auch in den anderen Albstädter Stadtteilen, am Wochenende abgeholt.
So schön der Schnee war, den Organisatoren der Christbaum-sammlungen dürfte er eher ungelegen gekommen sein: Mächtige Schneeberge und parkende Autos machten so manche Straße praktisch unpassierbar, zumindest für die großen Sammelfahrzeuge, die für eine solche Aktion benötigt werden. In Tailfingen hatte der Christliche Verein Junger Menschen (CVJM) vor allem auf Langenwand und an der Markenhalde seine liebe Not. Umso dankbarer war man den Firmen, die Sprinter, Lastwagen und sogar Fahrer zur Verfügung gestellt hatten – in einem Fall, es handelte sich um den Kipper eines Bauunternehmens, setzte sich der Chef sogar persönlich ans Steuer. Genau wie Pfarrer Gottfried Engele, der spontan für einen kurzfristig erkrankten Fahrer einsprang.
In 13 Sammelbezirke hatte das Organisationsteam des Vereins Tailfingen eingeteilt, jedes der Fahrzeuge wurde mit mehreren Mitarbeitern im Alter von zehn bis 60 Jahren besetzt. Bereits zum dritten Mal waren auch einige junge Männer aus Eritrea dabei, die über die Sportgruppe des CVJM zum Verein gekommen sind. Kubrom Abraha erinnert sich noch gut: Einige Tailfinger hätten doch sehr irritiert dreingeblickt, als die Afrikaner vor der Haustür gestanden seien – an jedem Haus, vor dem ein ausgedienter Weihnachtsbaum liegt, wird geklingelt.
Wenn die Sammler Glück hatten, hing ein Zettel mit der Adresse oder das Entgelt von zwei Euro am Baum oder die Tanne konnte zweifelsfrei einem Haus zugeordnet werden. Wenn freilich ein Baum ohne jeden Hinweis auf den Besitzer vor einem Mehrfamilienhaus, dann wird das Geldsammeln mühsam und zeitintensiv. Nicht selten konnte der Besitzer gar nicht ermittelt werden; den Helfern blieb trotzdem nichts anderes übrig, als den Baum mitzunehmen.
Aus ihrem Ärger darüber, dass manche Bürger den Service, den der Verein in mehrstündiger Arbeit mit gut 40 Ehrenamtlichen leistet, als wohlfeile Selbstverständlichkeit angesehen wird, machten sie kein Hehl. Und dass viele es mit dem Schneeräumdienst nicht so genau nehmen, wurde ebenfalls stirnrunzelnd quittiert – sich bei der anstrengende Arbeit auch noch nasse Füße zu holen, müsste eigentlich nicht sein.
Indes überwogen auch diesmal die positiven Erlebnisse: Viele Tailfinger spendeten deutlich mehr als den Richtwert von zwei Euro, und speziell die Jugendlichen unter den Helfern erhielten auch allerhand Süßigkeiten neben dem Entgelt. Das Geld bekommen zahlreiche Gruppen und Kreise, die Kinder und Jugendlichen als Anlaufstationen dienen, oder es wird in Aktionen wie die Meet-Me-Jugendwoche investiert.