Bilder die von Hoffnung sprechen

Am Wochenende wurde im Tailfinger CVJM-Haus die Ausstellung „African Art meets Albstadt“ eröffnet. Die präsentierten Werke erzählen vom Leben der beiden Künstler.

Mit den Worten Friedrich Schillers „Von fernher kommen wir gezogen und flehen um ein wirtlich Dach“ eröffnete Herbert Mayer von der Tal-Gang-Art die Ausstellung „Albstadt meets African Art“. Diese ist derzeit im Tailfinger CVJM-Haus zu bewundern.

In vielerlei Hinsicht war das Zitat aus einer Ballade Schillers gut gewählt: Die beiden ausstellenden Künstler Mulugeta Tekle und Babam Cham waren vor einigen Jahren von fernher gekommen, um sich in Europa ein besseres, hoffnungsvolleres Leben aufbauen zu können. Das „wirtliche Dach“ wurde in Deutschland gefunden, der Begriff aus Schillers Allegorie passte aber auch für den Ort der Vernissage. Den freundschaftlichen Umgang, den die Tal-Gang-Art und der CVJM pflegen, sowie das gastliche Haus in der Kronenstraße erwähnte Mayer in seiner Begrüßungsrede mehrfach. Das Café, das die Mitarbeiter der Tal-Gang-Art, Familie Yebio und der Weltladen im ersten Stock eingerichtet hatten, trug zur Wohlfühlatmosphäre bei.

Das pralle Leben überwiegt

Mulugeta Tekle floh 2015 aus Eritrea. Über den Sudan, Libyen und das Mittelmeer führte sein Weg. Der heute 34-Jährige musste in der brutalen Militärdiktatur von 2006 an Wehrdienst leisten, in dem ostafrikanischen Land kann dieser zeitlich unbegrenzt eingefordert werden. Tekle, der schon als Jugendlicher gerne gezeichnet und gemalt hat, verfolgte seine Leidenschaft auch während seiner Militärzeit. Die staatlichen Behörden interpretierten seine Bilder als Regimekritik und so begann Tekle, um sein Leben fürchten zu müssen.

Manche der Bilder, die der in Balingen lebende Künstler kreiert, lassen etwas von dieser Angst ahnen, aber auch von der Hoffnung auf ein besseres Leben. Nicht immer, erzählt er im Gespräch, erfüllen sich diese Hoffnungen, ist die neue Umgebung so, wie man sie sich gewünscht hätte. Aber das Bunte, das pralle Leben, überwiegt in seinen Bildern.

In kräftigen Farben strahlen sie, meist zeigen sie Frauen im Alltag seiner Heimat. Symbole wie Apfel, Öl und Ei laden dazu ein, die Kunstwerke näher zu betrachten. Der Konflikt der Nachbarstaaten Äthiopien und Eritrea wird thematisiert und auch hier nennt Tekle wieder das große Wort „Hoffnung“.
Der Weg des zweiten ausstellenden Künstlers war ein anderer. Mit einem Visum ausgestattet, auf der Suche, sein künstlerisches Potenzial voll entfalten zu können, kam Babam Cham aus Gambia nach Deutschland. Dass er im Dorf seiner Jugend nicht zu Farbe und Pinsel greifen konnte, sieht man den meisten seiner Schöpfungen an: Noch heute zeichnet er hauptsächlich mit Bleistift. Dies auf eine akribische, inspirierte Art, dass man seine Augen ohne weiteres eine Stunde im Bild versenken und immer noch Neues entdeckte.

Bedrückender sind sie als die Gemälde seines Freundes Mulugeta Tekle, unschöne Kindheitserinnerungen sind verarbeitet, Cham greift in seinen holzschnittartigen Werken oft Masken und Fetische auf. Babam Cham konnte bei der Vernissage leider nicht selbst dabei sein, hinterließ aber bei den Besuchern durch seine Kunst einen bleibenden Eindruck.
Tschakabum zur Vernissage

„Kauft die Bilder, solange sie erschwinglich sind“, riet Herbert Mayer. Völlig überwältigt war er von der großen Resonanz, bei seiner Eröffnungsrede war es nicht einmal allen Kunstfreunden möglich, im großen Saal des CVJM-Hauses Platz zu finden. Ein ungestörterer Blick auf die Werke kann kommendes Wochenende geworfen werden: Am 9. und 10. März ist das CVJM-Vereinsheim in der Kronenstraße 5 von 14 bis 17 Uhr geöffnet.

Nicht dabei sein werden die Trommler von „Tschakabum“. Sie waren mehr als nur die musikalische Umrahmung bei der Eröffnungsveranstaltung. Fasziniert sahen die Gäste ihrem Spiel zu. Leiterin Claudia Vieth dirigiert mit den Augen, auch gesangliche Elemente sind in ihrem Auftritt enthalten.

Die Tal-Gang-Art hat ein weiteres Mal ihr Ziel erreicht: Menschen in Musik, Kunst und persönlichen Begegnungen zueinander zu bringen, unabhängig von Hautfarbe, Alter, Geschlecht oder Religion.