Fünf sympathische Musiker, vereint im Ensemble "Classic Brass", haben in der Pauluskirche unter dem Titel "Hört der Engel helle Lieder" ein Weihnachtskonzert der Spitzenklasse gegeben, zu dem Pfarrer Johannes Hartmann die Zuhörer und Akteure begrüßte.

Zum Ensemble, das der Dresdener Trompeter Jürgen Gröblehner 2009 gegründete hatte, gehören Zoltán Nagy und Jürgen Gröblehner an den Trompeten, Valentin Eschmann am Horn, Szabolcs Horváth an der Posaune und Roland Krem an der Tuba, und sie beeindruckten durch perfektes Zusammenspiel, ausgewogene Dynamik und überzeugende Artikulation. Obwohl jeder der Musiker als Solist fungieren kann, bilden sie zusammen einen homogenen Klangkörper.

Festlich war der Auftakt "Fanfare" von William H. Cummings. Von markanten Fanfarenklängen umschlossen, erklang in der Mitte das englische Weihnachtslied "Hark! The Harald Angels Sing" nach einer Melodie des Komponisten Felix Mendelssohn-Bartholdy. Bei der Tuba ist die Melodie in guten Händen.

Drei Stücke aus dem Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach spielten die Musiker in überzeugenden Bläserfassungen – zunächst die großartige Bassarie "Großer Herr und starker König". Wie herrlich erschallten da die hohen Trompeten, wie überzeugend gestaltete die Zugposaune die Bassstimme. Sehr anrührend und innig war der Choral "Wie soll ich dich empfangen", und auch im Schlusschoral "Nun seid ihr wohl gerochen" glänzten die Trompeten virtuos und die Melodie war bei der Tuba in guten Händen.

Danach war der andere geniale Barockkomponist, Georg Friedrich Händel, mit zwei Stücken aus dem "Messias" an der Reihe. Sehr klangschön und einnehmend ertönte die "Pipa", eine Pastoralsinfonie in angenehm wiegendem Rhythmus. Ein grandioser Jubelschall war das "Halleluja", sehr differenziert, gut phrasiert und überaus beweglich ausgeführt. Das "Largo" aus "Der Winter" von Antonio Vivaldi in der Bläserfassung bot dem Tubisten Gelegenheit zum großen Auftritt. Roland Krem verbreitete mit seiner tiefen Stimme die behagliche Wärme am Kamin, während Trompete und Posaune leise begleiteten. Es war höchste Kunst, wie "Classic Brass" die Miniaturen aus der Nussknacker-Suite von Peter Tschaikowsky zu nuancenreichen einmaligen musikalischen Köstlichkeiten machte.
Am Anfang des zweiten Teils stand der großartige Chorsatz "Jauchzet, frohlocket, auf preiset die Tage", mit dem Bachs Weihnachtsoratorium beginnt. Es war frappierend, wie die fünf Bläser diesen monumentalen Chorsatz überzeugend interpretierten.

Ein auf die Gregorianik zurückgehendes Adventslied "O Come, O Come Emanuel" erklang in einem herrlichen Arrangement von David Marlatt als Antiphon. Zusammen mit Tailfingens Posaunenchorleiter, örtlichem Konzertorganisator und Trompeter Gerhard Gonser spielte "Classic Brass" den Bachsatz "Brich an, du schönes Morgenlicht“.

Mit dem Medley "Fröhliche Weihnacht überall" spielten die Musiker außerdem bekannte deutsche Weihnachtslieder, elegant in Jazz verpackt und mit einem Schuss Virtuosität. Eines der populärsten amerikanischen Weihnachtslieder "Have Yourself a Merry Little Christmas", das auch Frank Sinatra gern sang, ging den bewegten Zuhörern zu Herzen, und sie alle waren danach aufgerufen, kräftig in das Titellied "Hört der Engel helle Lieder" einzustimmen, ehe "Christmas Crackers", das letzte Medley, erklang: Nach einem fanfarenartigen Auftakt spielten die Bläser "Jingle Bells" und weitere Weihnachtssongs, effektvoll vereint. Doch der Riesenapplaus machte deutlich, dass die Zuhörer noch nicht genug hatten. Als erste Zugabe schenkte ihnen das Ensemble deshalb ein bravourös gespieltes Arrangement ungarischer Weihnachtslieder und verabschiedete sich schließlich doch: Mit dem Klassiker "We Wish You A Merry Christmas And A Happy New Year".

Wilfried Groh